Frau steht überlegend vor Treppe und Fahrstuhl

Bewegung mit 50 | 50plus: Treppe laufen oder Fahrstuhl fahren

Die Entscheidungsfindung zwischen Bewegung und Stillstand liegt ganz bei uns. Wir können faul mit dem Fahrstuhl fahren oder aber sportlich die Treppe nehmen. Wie wir uns auch entscheiden, hinterher sind wir immer schlauer:

Treppe visus Fahrstuhl

Eine Treppe ist nicht einfach nur ein Auf- und Abgang, mit dem Höhenunterschiede überwunden werden können, sondern auch ein Trainingsgerät für sportliches Ausdauertraining. Ein Fahrstuhl hingegen ist nicht einfach nur eine Aufzugsanlage, mit der Personen oder Lasten zwischen mehreren Ebenen transportiert werden können, sondern auch eine Begegnungsstätte auf kleinstem Raum.

Nun stehe ich jeden Werktag vor der gleichen Entscheidung: Treppe oder Fahrstuhl. Oder genauer ausgedrückt: Treppe ohne Spiegel oder Fahrstuhl mit Spiegel. Mein Ziel ist die vierte Etage. Meine Weggefährten sind Engelchen und Teufelchen, die beiden Geister sind wie Furunkel und kleben einem immer an den Versen.

Ausdauer trainieren oder technische Beschleunigung

Ich betrete die großräumige Eingangshalle. Linksseitig befindet sich eine offene Fahrstuhltür, aus der sich warmes und einladend grünweißes Licht über den glänzenden, hellen Fliesenboden vor meinen Füßen erstreckt. Ein paar Meter weiter befindet sich die kalte Glasscheibe einer schweren Tür. Dahinter – Dunkelheit. Das Dunkle umhüllt acht Treppen upstairs, die mit grauem, schon recht abgetretenem Teppich ausgelegt sind. Sie sind nicht wie die Treppen der Zaubereischule Hogwarts, die nach Lust und Laune ihr Ziel verändern und plötzlich in ein anderes Geschoss führen können. Und es gibt einen Lichtschalter, die Dunkelheit soll hier nicht als Ausrede gelten.

Und trotzdem überlege ich JEDEN Werk-Morgen. Treppe oder Fahrstuhl. Laufen oder fahren. Engelchen und Teufelchen stehen sich wie immer gegenüber. Engelchen: „Beweg deinen Hintern, baue Muskeln auf, verbrenne Fett, straffe deine Cellulite, denk an die Waage, fühl dich gut!“. Teufelchen hingegen: „Du wirst schwitzen und stinken!“.

Fahrstuhl fahren statt Treppen laufen

Die Entscheidung ist schnell getroffen. Ich betrete den Fahrstuhl. Mein Blick straight on in den Spiegel. Es gibt gute und böse dieser Art. Jede Frau kennt den Unterschied. In Umkleidekabinen, das sind die bösen. Da gleicht das zurückgegebene Spiegelbild eher einem Michelinweibchen. Nicht so im Fahrstuhl, zumindest in diesem. Der versteht es zu schmeicheln. Aber noch ist der Zeitpunkt eines Lobes nicht erreicht. Erst muss ich mich unbeobachtet hinter verschlossener Tür wissen. Ich drücke den Knopf neben der 4.

Langsam und leise schnarrend schließt sich die edelstahlfarbene kalte Wand. Plötzlich höre ich Schritte. Schnelle, bestimmende Schritte. Sie klacken auf dem Fliesenboden und erzeugen ein lautes „Hallen“ in der großen, gefliesten Eingangshalle. Nur noch ein kleiner Spalt. Die Schritte stoppen. Ich vernehme ein Umkehrgeräusch und der anfängliche Spalt verwandelt sich wieder zur offenen Tür.

Unwohlsein bei fehlender Klaustrophobie

Ein anderes Teufelchen hat also auch gewonnen. Nix mit „Spieglein, Spieglein an der Wand“…. das würde jetzt ziemlich eitel rüberkommen. Dafür gibt’s  einen kurzen Morgengruß. Mein Mitfahrer drückt auf den Knopf neben der 3. Na toll! Auch das noch. Die Zeit zwischen dritter und vierter Etage ist ziemlich kurz, wie soll da eine Konversation mit dem Spiegel stattfinden. Ich stelle mich mit dem Gesicht zur Tür, vom Spiegel abgewendet. Unsere Gesichter schauen nach unten. Die Fahrt beginnt. Betretendes Schweigen. Ich halte Ausschau nach der digitalen roten Ziffer der Etagenanzeige, es leuchtet die Zahl 1. Wieder blicke ich auf den Fußboden…auf meine Schuhe, gegen die Wand, die Decke, die Tür. Absolute Stille im Fahrstuhl. Ein blödes Gefühl!

Auf der Anzeige ist jetzt die Zahl 2 sichtbar. Die Sekunden dehnen sich wie Kaugummi. Verstohlen riskiere ich einen Blick auf meinen Nachbarn. Mein Kopf ist dabei ganz nach unten geneigt. Das geht. Man muss nur die Augen sehr stark nach oben rollen. Aber auch mein Gegenüber vollzieht nur abwesende Blicke Richtung Wand. Ich fühle mich nicht gut. Ein Plausch wäre mir lieber, aber mein 3-Etagen-Begleiter macht einfach keine Anstalten.

Fahrstuhl fahren lohnt sich nicht

Der Fahrstuhl stoppt. Endlich. Die Digitalanzeige steht auf 3. Ein kurzer Weg-Geh-Gruß und mein Gegenüber ist verschwunden. Kein Winken, kein geschwungenes Taschentuch, keine Tränen. Was ein Morgenmuffel. Das beengende Gefühl weicht, während sich ein Wohlwollen in mir breit macht. Nur noch ein kurzes Warten bis die Tür sich schließt. Es bleibt nicht viel Zeit. Die Tür ist zu, ich drehe mich um und blicke in den Spiegel.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste hier im Fahrstuhl-Land?“ Keine Antwort! Aber was ich heute sehe, lässt auch niemanden frohlocken. Einige Haare stehen antennenähnlich zu Berge, meine Augenlider hängen schlüpfrig zu Tal. Ich drücke die Haare platt an den Kopf und massiere kurz über die Lider. Und schon geht die Tür wieder auf. Ich verlasse den engen Raum und fühle erneut ein Unbehagen. Das hab ich nun davon. Hab mich nicht bewegt, hatte kein nettes Gespräch und der Spiegel war auch nicht gut drauf.

Da hätte ich auch die Treppe nehmen können.