Geräusche mit 50 | 50plus: Stöhnen – seufzen – ächzen

Geräusche mit 50 | 50plus: Stöhnen – seufzen – ächzen

31. Januar 2019 Aus Von Anja Brasche

Viele Geräusche sind uns alltäglich allgegenwärtig. Auch jene, die wir hören könnten – aber selber gar nicht wahrnehmen. Wir müssen schon darauf aufmerksam gemacht werden wie bei dieser kurzen Szene eines Fernsehfilms: Ein Sohn bezeichnete seinen Vater als „alt“. Er würde ja stöhnen, wenn er sich bückt! Bums, DAS hat gesessen…

Knacken und Knirschen: Geräusche bei Bewegung

…und mir tatsächlich zu denken gegeben. Es ist ja nichts neues, dass bei körperlicher Bewegung hier und da unsere Gelenke knacken und knirschen. Auch bei der jüngeren Generation kommen diese Begleiterscheinungen schon mal vor – die machen sich nur noch keine Gedanken darüber. Aber stöhne ich? Also stöhne ich, wenn ich mich bücke? Ich will’s wissen und mache den Selbsttest. Galant wie ein junges graues Reh begebe ich mich in die Senkrechte. Kurz Ausschau halten, ob sich kein anderes Paarhufer in Blicknähe befindet und schon kann ich loslegen.

Der Selbsttest führt ins Nichts’s

Ich bücke mich bis zum Boden, greife kurz ins Nichts und komme wieder zurück in die Ausgangsposition. Nicht ein geringster Laut ist zu vernehmen. Aber kann ein Stöhn-Test auf Kommando zur Selbst-Analyse herangezogen werden? Ist es nicht eher wie sich selber kitzeln, eine Kopf-Massage-Spinne am eigenen Kopf anwenden oder sich selbst einen Witz erzählen? Das kann so nicht funktionieren! Ich muss auf den richtigen Moment warten, auf ein „Spontan-Bücken“. Während ich so dahin sinniere frage ich mich, worin die Unterschiede bei den verschiedenen Bewegungs-Lautäußerungen wie stöhnen, seufzen und ächzen liegen.

Stöhnen und Sex: Goldmedaille bei guten Gefühlen

Ich surfe. Das „Stöhnen“ erreicht wahrhaftige 4.690.000 Ergebnisse. In den gelisteten Einträgen sehe ich auf den ersten Blick viel Sex, Sex, Sex.
„Hmmmhh…aaaaaaaahhhh…uuuuuhh…oooooh…“, ein anhaltendes mit Seufzen verbundenes Atmen bei Belastung, Schmerzen und eben auch bei guten Gefühlen. Die Silbermedaille bekommt das „Seufzen“ mit 1.260.000 Ergebnissen, hier gibt’s mehr Gemüt als Sex:
„Hhhmmmmm…“, ein schwer und hörbares Ein- und Ausatmen nach anstrengenden Situationen und bei Erleichterung. Und für das „Ächzen“ mit immerhin 420.000 Ergebnissen bleibt nur der dritte Platz. Ein aus der Kehle ausgestoßener Laut beim Ausatmen. Immerhin, ein kurzes “ach..!“.

Misophonie: Austicken bei Geräuschen

Nicht vergessen werden darf das „Grunting“. Das Stöhnen von Tennisspielern, Gewichthebern und Sportlern von Wurfsportarten. Diese Töne sind nicht zu überhören und können zu einer großen Aufmerksamkeit führen: zum Abschalten des Fernsehers oder auch zum Verlassen des Fitnessstudios. Es gibt aber auch Menschen, die Kaugeräusche gar nicht mögen – die können regelrecht austicken, wenn Essgeräusche in die Nähe ihrer Ohren kommen. Misophonie wird das genannt. Lautes Kauen, Schmatzen, Schlucken…ein „no go“ für diese Spezies. Das Zusammenleben mit „Misophonisten“ ist wahrhaftig kein Zuckerschlecken. Das gemeinsame, gemütliche Beisammensitzen am Esstisch gleicht manchmal eher einer Kampfszene – ich spreche hier aus eigener Erfahrung!

Vom Ächzen zum Joggen

Je mehr ich lese, desto merkwürdiger finde ich die ganze Sache um die unterschiedlichen  Geräusche. Wahrscheinlich mache ich mir viel zu viele Gedanken und sollte manche Filmszenen nicht auf mich übertragen. Ich beschließe lockerer zu werden, den Ernst des Lebens gegen Seifenblasen zu tauschen und mehr Momente der Leichtigkeit zu genießen.

Die Sonne scheint und die frische Luft lädt zum Joggen ein. Ich fahre den Laptop runter, schmeiß mich in die Laufklamotten, ziehe meine Joggingschuhe an, binde die Schnürsenkel  zu und – „ACH“ – laufe nach einem kurzen, aber lauten Ächzen los.