Sport mit 50plus: Ausdauertraining für Fitness und Gesundheit

Sport mit 50plus: Ausdauertraining für Fitness und Gesundheit

7. Juni 2019 Aus Von Anja Brasche

Ausdauersport ist gesund, das ist uns allen wohlbekannt. Wer regelmäßig trainiert verbessert die Durchblutung seines Gehirns – wir können uns dann besser konzentrieren und werden zudem seltener krank. Unsere Muskelmasse nimmt zu, während unser Körperfettanteil abnimmt. Und weil das so schön ist, gleich noch einmal: Unsere Muskelmasse nimmt zu, während unser Körperfettanteil abnimmt! Der Blutdruck wird niedriger und der Ruhepuls sinkt. Plötzlich haben wir eher Gelüste auf gesunde Nahrungsmittel, anstatt uns mit Süßem vollzustopfen. Auch hier lohnt es sich noch einmal deutlicher zu werden: Unser Verlangen nach Süßem nimmt ab! Das Glückshormon Serotonin wird beim Sport ausgeschüttet, es geht uns gut – wir schweben förmlich durchs Leben und fühlen uns pudelwohl.

Wenn wir doch aber dieses Wissen immer mit uns herumtragen, wenn uns diese Tatsachen sooo klar auf der Hand liegen – WARUM tun wir uns dann so schwer mit der regelmäßigen Bewegung? WARUM (er)finden wir immerzu Ausreden und spielen eher Couch-Potato, statt uns im Fitnessmodus wiederzufinden? Verflixt und zugenäht, was ist bloß los mit uns?

Die Motivation ist unser Schlüssel zur Bewegung

The answer is very simple. Es liegt an der Motivation. Das Aufraffen fällt uns schwer. Den inneren Schweinehund überwinden, uns selber anspornen. Denn wenn wir uns erst einmal in die Sportschale geworfen haben, lospowern und uns Mitten in unserer Sportart wiederfinden, kann sich unsere anfängliche Bewegungs-Unlust in Glückseligkeit, Frohsinn und Spaß umwandeln. Ob es sich um Junioren- oder Seniorensport handelt ist dabei nicht von Belang. Und in welcher Dosis wir unsere Bewegungen ausführen, bleibt jedem selbst überlassen. Ob wir im Einklang mit unserem Körper unserem Ausdauersport begegnen oder mit falschem Ehrgeiz übertreiben und Warnsignale missachten, liegt dabei ganz in unserer eigenen Hand. Wir sollten dabei aber nicht außer Acht lassen: im Alter verzeiht der Körper nicht mehr so schnell.

Wenn also der Zeitpunkt der körperlichen Betätigung naht, einfach mal das Gehirn ausschalten, in die Sportklamotten schmeißen, lossporteln und Gehirn wieder einschalten:

Ausdauer trainieren: Laufen in der Natur

Die Sonne scheint, die Außentemperatur liegt bei 24 Grad und die Bodenbeschaffenheit ist gut. Alles Tatsachen, die förmlich zum Laufen einladen. Um erst gar keine Unlust aufkommen zu lassen, ziehe ich mich schnell um, springe in die Laufschuhe, stöpsel mir Kopfhörer in die Lauscherchen, schmeiße die Fitnessuhr an und schon geht’s los. Es soll die gleiche 10-Kilometer Joggingstrecke werden wie erst vor ein paar Tagen. Nach nur wenigen Schritten führt sie mich auf einen Feldweg. Wie bei meinem letzten Lauf schon, stapelt sich dort auf vielen Metern, ca. 20 Zentimeter hoch, gemähter Rasen. Ein normales Laufen ist hier nicht möglich, daher stolziere ich in Laufgeschwindigkeit darüber hinweg. Ich muss dabei die Füße hoch in die Luft schmeißen, damit ich nicht im Gras hängenbleibe und es mit jedem Laufschritt wie einen rollenden Haufen vor mir herschiebe. Schwanengang in Zeitraffer. Gleich bei Laufbeginn so eine Prozedur, das geht in die Beine. Aber: durchhalten ist meine Devise. Schwitzen, Auspowern, Körper spüren, Glück empfinden.

Glück empfinden oder im Trainingseifer versinken

Die Stolzierstrecke ist geschafft. Mit etwas schweren Beinen geht’s weiter. Kiesweg, leicht bergauf. Ich atme jetzt schon schneller als üblich und spüre das Blut pulsieren. Die Sonne brennt, daran wird es wohl liegen. Nicht überlegen, weiter geht’s. Laufschritt für Laufschritt, (Kilo)Meter um (Kilo)Meter. Nach dem Kiesweg kommt Teerstraße, dann wieder Kiesweg und wieder Teer. Irgendwie fällt mir das Laufen heute schwerer als sonst. Ein Glücksgefühl stellt sich nicht wirklich ein, meine Gedanken spielen nicht in entfernten Dimensionen, sondern versuchen den Körper zu überlisten. Doch irgendetwas presst sich auf meine Schultern. Und es wird immer stärker. Die Schultern drücken auf den Rest des Körpers und meine Schuhe versinken gefühlt im Asphalt. Am Anfang stolzierend wie ein Schwan, am Ende trampelnd wie ein Elefant.

Laufschnecke statt Läufer

So habe ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Meine Augen schweifen über die schönen Felder, ich sehe Wildblumen und Insekten, in der Ferne hoppelt ein Hase auf meiner Laufspur. Es ist alles sooo schön, wo bleibt nur mein Glücksgefühl? Wo versteckt sich heute das Serotonin? Der nächste Berg lässt nicht lange auf sich warten. Ich nehme alle Kraft zusammen und fokussiere meine Atmung. Ich will es schaffen. Ich werde es schaffen. Mühsam ergaunere ich mir noch mehrere Meter, doch dann übernimmt mein Körper die Kontrolle über meinen Ehrgeiz. Ich muss gehen, mein Durchhaltevermögen reicht grad einfach nicht aus. Verflixte Axt. Diesen Run hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Glück sollte meine Sinne umnebeln, der Laufflow sollte sich einstellen, ich wollte fliegen. Und jetzt, jetzt schleiche ich hier den Berg hinauf. Mit guten Joggingschuhen. Im Laufdress. Mit Fitnessuhr. Als Laufschnecke. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Hätte ich’s mir ja auch als Couch-Potato gemütlich machen können. Blöde Motivation.

Ehrgeiz – gesund oder ungesund

Mein Puls sinkt, meine Atmung wird flacher, meine Beine leichter und mein Blick klarer. Ich bin oben angelangt und unbemerkt hat sich meine Stimmung etwas gebessert. Meine Kräfte scheinen auch zurückzukehren. Plötzlich bin ich auch viel besser drauf, ja ich fühle mich eigentlich wieder richtig gut. Also beschließe ich weiterzulaufen. Ich hatte mir schließlich ein Ziel gesetzt. Ok – nicht ganz geschafft, einmal ins Gehen verfallen – aber nun zählt: DURCHHALTEN. Ich habe ja Ehrgeiz, ich schaffe das! Ich setze meine Beine wieder schneller in Bewegung, es geht Berg runter, es läuft. Und auch der nächste Berg wird meine Stimmung nicht mehr drücken können. Ich bin bereit, nehme die mir selber auferlegte Aufgabe an. Zwei Schritte einatmen, zwei Schritte ausatmen. Konzentrieren. Mein Schatten läuft ständig vor mir her – ich würde ihn gerne überspringen, aber ich schaffe es nicht. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen. Ein…, aus…, ein…, auuuus…. neeeeee! Es geht einfach nicht. Meine Gedanken, mein Ehrgeiz, meine Gefühle – nichts bringt meine Beine dazu, noch einen Schritt weiter im Lauftempo zu vollbringen. Ich drossele augenblicklich meine Geschwindigkeit und gebe auf. Scheiß was drauf…ich bin schließlich keine Maschine, und auch keine 20 mehr. Sechs Kilometer habe ich hinter mir. Was tun? Ich könnte ’ne Abkürzung nehmen und diesen Lauf aus meinem Gedächtnis vergessen. Wäre ja nicht das Einzige, was daraus verschwindet. Aber…

Blickwinkel ändern bringt Wunder

Die Sonne scheint, die Außentemperatur liegt bei 24 Grad und die Bodenbeschaffenheit ist gut. Alles Tatsachen, die förmlich zum Walken einladen. Also – Ehrgeiz für heute ausschalten, Alter bedenken, Perfektion runterschlucken und Natur genießen. Um mich herum hat sich ja gar nichts verändert. Außerdem bewege ich mich doch, nur eben anders als anfangs geplant. Ich mache mich auf den Weg, um die restlichen vier Kilometer zurückzugehen. Und wie ich da so gehe, wie mein Puls sich senkt, meine Atmung abflacht, meine Schritte leichter werden, kein Gewicht mehr auf meine Schultern drückt – ist es plötzlich da. MEIN GLÜCKSGEFÜHL. Das Tortenstück auf meiner Zunge, der Sonnenschein auf meiner kalten Haut, das Niesen nach meinem Nasen-Kribbeln. Das Glücksgefühl hat sich gar nicht versteckt – es war die ganze Zeit über da. Ich habe es selber nur nicht zugelassen.

Einfach mal den Blickwinkel ändern, das ist gesund und trägt ebenfalls zur Fitness bei!