Neurodermitis beim Baby: Strahlende Augen trotz Jucken, Kratzen und Nässen der Haut

Neurodermitis beim Baby: Strahlende Augen trotz Jucken, Kratzen und Nässen der Haut

21. Januar 2019 Aus Von Anja Brasche

Ein Baby mit Neurodermitis schaut uns trotz Juckreiz, Kratzattacken und nässender wie blutiger Haut mit strahlenden Augen an und zaubert viele glückliche Momente in eine an Verzweifelung und Hilflosigkeit grenzende Zeit.

Das Leben: Träume | Pläne | Wege | Steine  | Kraft

Unser Leben verläuft nicht immer gradlinig. Wir haben gewisse Vorstellungen und Wünsche von dem, was mal kommen soll. Träumen von einer schönen Zukunft und gestalten diese mit bunten Bildern in unseren Köpfen. Gemeinsam schmieden wir Pläne und treffen Vorsorge, damit uns dabei nichts in die Quere kommt. Wir gehen Schritte nach vorne, aber auch mal wieder zurück und erleben Positives wie Negatives. Manchmal werden uns Steine in den Weg gelegt. Wir können dann stehen bleiben, den Kopf einziehen und resignieren. Besser ist aber allemal Kraft zu schöpfen, die Ärmel hochzukrempeln und die Steine beiseite zu räumen. Wir treffen auf Weggabelungen und müssen uns für einen Pfad entscheiden. Dabei treffen wir auch falsche Entscheidungen, dann müssen wir neue Wege suchen und gehen. Das ist unser Leben! Es kann uns aus der Bahn werfen und auch wieder in die richtige Spur bringen.

Kinderklinik Gelsenkirchen: Hilfe finden

Wenn also irgendetwas unserem Leben ein Schnippchen schlägt, ist es wichtig und gut, dass wir jemanden zum Reden haben, dass wir nicht alleine sind, dass wir Hilfe suchen, Hilfe finden und Hilfe annehmen. Denn letztendlich sind wir nur zusammen stark, macht es nur zusammen Spaß und sind wir nur zusammen glücklich. Alleine ist zwar auch mal schön – aber nur für ein paar Stunden.

Eines unserer Schnippchen war die Neurodermitis unserer Tochter. Wir haben Hilfe gebraucht, gesucht und gefunden. Dafür ein dickes, fettes DANKESCHÖN an die Kinderklinik in Gelsenkirchen!

Baby mit Neurodermitis

Leserbrief zum Artikel „Debatte um Elternschule: Kritik an Methoden in Kinderklinik“  im Göttinger Tageblatt:

Juckreiz bei Neurodermitis: Kratzen bis das Blut läuft

Hilflos, verzweifelt, müde, isoliert und ohnmächtig, so kann man die Gefühlswelt beschreiben, in der wir uns vor 20 Jahren mit unserem neurodermitiskranken Kind
befanden.

Keine drei Monate alt, die Haut am ganzen Körper offen und nässend, das Gesicht – eine einzige Schorfschicht. Die Stramplerfasern bleiben in den offenen Hautstellen kleben, unser Baby kratzt, kratzt und kratzt, bis das Blut läuft – und auch dann noch verschwinden die kleinen, kurz geschnittenen Fingernägelchen in unbemerkten Momenten in den Wunden.

Auf den Arm genommen, wird das Gesicht an unserer Schulter gerieben – immer und immer wieder – bis der Juckreiz nachlässt und nach kurzer Zeit wieder von vorne beginnt. Kratzhandschuhe, Neurodermitis-Overall, Vollstillen, viel Liebe, Zeit und Aufmerksamkeit…nichts hilft. Ganz automatisch und von uns unbemerkt lernt unser Kind, nicht nur Schreien und Weinen, sondern auch Kratzen bringt Aufmerksamkeit. Und dann nur noch Kratzen. Der Teufelskreis beginnt. Die Blicke anderer Eltern – Ekel und Mitleid im Gesicht. In der Nacht keine zwei Stunden Schlaf am Stück.

Baby mit Neurodermitis

Schreien und Weinen sind erlaubt

Das war unser Zustand, als wir uns an die Gelsenkirchener Kinderklinik gewandt und endlich Hilfe bekommen haben. Der Fokus der Klinik lag neben einer allergenarmen Ernährung, in einer liebevollen und konsequenten Erziehung, um die Kratzreaktion wieder auf Schreien und Weinen zu lenken. Unser Kind durfte nun kratzen, hat dadurch aber keine Aufmerksamkeit mehr von uns bekommen. Schreien und weinen tut jedes Kind und sollte seine Gefühle damit auch ausdrücken dürfen. An dieser Umlenkung haben wir während des stationären Klinikaufenthaltes und in der Zeit danach gearbeitet. Es ist vielleicht nicht jedermanns Weg, unserer war es und wir sind heute noch glücklich und dankbar für die Hilfe, die wir von den spezialisierten Fachkräften in der Klinik erfahren durften.

Kind mit Neurodermitis

Anja Brasche, Krebeck